Tesla kein normaler Autohersteller mehr: Haben bei VW und Co. die Sektkorken geknallt?

Tesla Model Y
(Mit freundlicher Genehmigung/Courtesy of Tesla Inc. [Homepage)

Anfang des Jahres horchte die Autowelt auf: Tesla, also das Unternehmen, das in den letzten Jahren die gesamte Automobilindustrie vor sich her getrieben hat, will kein normaler Autobauer mehr sein.

So verkündete es Elon Musk in einer Investorenkonferenz Anfang des Jahres 2026.

Statt das klassische Fahrzeugportfolio weiter auszubauen, soll es bei Tesla in Zukunft eher um RobotaxiDienste, Mobilitätsplattformen sowie humanoide Roboter gehen.

Ob da die Sektkorken bei VW und Co. geknallt haben? Schließlich verabschiedet sich damit einer der führenden Fahrzeugbauer aus dem BEV-Segment.

Über die Hintergründe für diese Entscheidung können wir nur spekulieren. Wir glauben, dass es für Elon Musk einfach zu langweilig gewesen wäre, den Elektroauto-Pionier in einen „normalen“ Autokonzern zu transformieren, der über die Jahre Baureihen für verschiedene Marktsegmente auflegt, diese ab und an mittels Modellpflege aufhübscht und manchmal mit einem neuen Design überrascht.

Das Elon Musk Automobilbau kann, hatte er bereits mit dem Model Y bewiesen. Das Fahrzeug ist für die Wettwerber immer noch der „Ur-Meter“ eines Mid-Size SUVs, es wird nach wie vor auf drei Kontinenten produziert und erfolgreich verkauft.

Aufgrund der erstaunlichen Erfolge von Tesla könnte man glauben, dass Elon Musk über Wasser laufen kann.

Dem ist eindeutig nicht so:  Nach dem Model Y hätte eigentlich ein Entry-Modell folgen müssen, stattdessen wurde das völlig unverkäufliche Cybertruck entwickelt. Damit  wurde die Riesenchance verpasst, dass Pick-Up-Segment mit einem BEV-Modell zu besetzen. Ford, Toyota und Co. werden sich freuen.

Infolge dieser verfehlten Modellpolitik musste Tesla bereits den Titel des weltgrößten BEV-Herstellers an BYD abgeben.

Auch der Einstieg in den Nutzfahrzeugmarkt will nicht so recht gelingen: Die Produktion der dafür benötigten 4680-Zellen kommt nicht voran, weil sich Tesla mit einem neuen Zell-Fertigungsverfahren verhoben hat, das auf einer Trockenbeschichtung der Elektroden basiert. Daimler Truck und Co. können jubeln.

Insofern könnte man die Entscheidung von Elon Musk, Tesla strategisch neu auszurichten, auch als Flucht nach vorne interpretieren.

In jedem Fall werden die nächsten Jahren sehr spannend: Wird es Elon Musk gelingen, auch bei Robotaxi-Diensten und humanoiden Service-Robotern die technischen Standards zu setzen? Schließlich sind auf den neuen Geschäftsfeldern bereits sehr potente Wettbewerber unterwegs:

  • Die Alphabet-Tochter Waymo betreibt bereits kommerzielle Robotaxi-Dienste in San Francisco, Los Angeles, Phoenix, Austin und Atlanta und plant, diese auch auf internationale Standorte wie London und Tokyo
  • Im Bereich humanoider Robotik stehen Start-ups wie Figure AIund Boston Dynamics in den Start-Löchern.

Als wären das noch nicht Herausforderungen genug, challenged Elon Musk seine Ingenieure zusätzlich mit einer rein kamerabasierten Umgebungserfassung.

Alle anderen Anbieter nutzen mindestens eine zusätzliche Sensor-Technologie wie Radar oder Lidar, um bei schlechten Sichtverhältnissen die Zuverlässigkeit der Umfeldwahrnehmung zu erhöhen. Insofern sind wir sehr gespannt, ob es Elon Musk auch diesmal etwas gelingt, was fast alle Experten bisher für unmöglich gehalten haben. 

So wie vor 24 Jahren, als er mit dem Model S erstmals demonstrierte, dass ein langstreckentaugliches Premium-Elektroauto technisch möglich ist.

Also haben die Sektkorken bei VW und Co. geknallt? Wahrscheinlich nicht. Der Erfolg von Tesla hat – vor allem in China – für so viele Neugründungen gesorgt, so dass auch in Zukunft weiterhin mit einem harten Wettbewerb im BEV-Segment zu rechnen ist – auch ohne Tesla!