BEV- und NEV-Joint-Ventures

Innenraum-Design Aito M5 EV    
(Mit freundlicher Genehmigung/Courtesy of Aito [Homepage])

Management Summary

Insbesondere in China nutzen Firmen aus dem IT-Bereich den Paradigmenwechsel der Autoindustrie in Richtung Elektromobilität, um selbst in das Fahrzeuggeschäft einzusteigen. In der Regel kooperieren die Tech-Unternehmen dabei mit etablierten Verbrenner-Herstellern und gründen Gemeinschaftsunternehmen (Joint Venture):

  • Die Tech-Unternehmen können sich so neue Absatzmärkte erschließen und ihre Produkte  – etwa Software, Betriebssysteme, Chips oder digitale Dienste – direkt in Fahrzeuge integrieren. Gleichzeitig erhalten sie Zugang zu Produktionskapazitäten, industrieller Fertigungskompetenz und den globalen Lieferketten der etablierten Automobilhersteller.
  • Die Verbrenner-Hersteller profitieren vom Zugang zu Softwarekompetenz, digitaler Plattformentwicklung und neuen Nutzerökosystemen der Tech-Unternehmen. Gleichzeitig können sie ihre Elektrifizierungs- und Digitalisierungsstrategie beschleunigen und neue Geschäftsmodelle im Bereich vernetzter Fahrzeuge erschließen. 

Zu den chinesischen Joint Ventures gehören Aito, Avatr und IM Motors:

  • Aito ist das mit Abstand erfolgreichste Joint Venture in China, das von der Seres Group und Huawei gegründet wurde; 2025 konnten rund 420.000 Fahrzeuge abgesetzt werden. 
  • Avatr ist ein Joint Venture von Changan und CATL, Huawei unterstützt als Technologiepartner die Kooperation. In 2025 wurden rund 120.000  Fahrzeuge verkauft. 
  • IM Motors ist eine Kooperation von SAIC Motors, Alibaba und CATL, in 2025 wurden rund 81.000 Einheiten abgesetzt. Für Aufmerksamkeit sorgte die Nachricht, dass Audi die Technologie-Plattform von IM Motors für seine China-Modelle nutzten möchte.     

Auch in Japan wurde ein BEV-Joint-Venture gegründet:

  • Sony hat sich für Honda als Partner entschieden, das Gemeinschaftsunternehmen nennt sich Afeela. Das erste Modell wurde erst Anfang 2023 vorgestellt. 
  • Verkaufszahlen existieren noch nicht, da die Produktion erst in 2026 starten soll. 

Chinesische NEV-Joint-Venture

Aito M5 EV – Exterieur  
(Mit freundlicher Genehmigung/Courtesy of Aito [Press Release])

Aito M5 EV – Interieur
(Mit freundlicher Genehmigung/Courtesy of Aito [Press Release])

Aito ist eine chinesische Elektrofahrzeugmarke, deren Fahrzeuge von der Seres Group entwickelt und produziert werden, während der Tech-Konzern Huawei als zentraler Technologie- und Vertriebspartner eingebunden ist:

  • Die Seres Group ist ein chinesischer Automobilhersteller mit Sitz in Chongqing, der sich heute stark auf Elektrofahrzeuge und deren Kernkomponenten konzentriert. Mit rund 520.000 verkauften Fahrzeugen zählt das Unternehmen zu den mittelgroßen chinesischen Autobauern.
  • Huawei liefert das Fahrzeugbetriebssystem HarmonyOS sowie Komponenten für Assistenz- und Konnektivitätssysteme und vertreibt die Aito-Modelle in seinen eigenen Showrooms.

Aufgrund dieser engen Kooperation wird Aito zu den Joint-Venture-Marken gezählt, auch wenn Huawei formal keine Eigentumsanteile an der Marke hält und es sich juristisch nicht um ein echtes Joint Venture handelt.

Die 420.000 in 2025 verkauften Fahrzeuge sind überwiegend mit Range-Extender-Antrieben (EREV) ausgestattet. Nach Schätzungen auf Basis der Modellstruktur (M5, M7, M8 und M9) lag der EREV-Anteil bei rund 85–90 %, während reine BEV etwa 10–15 % ausmachten. Damit positioniert sich AITO vor allem im Segment der elektrischen SUVs mit Range-Extender.

AITO arbeitet auch an einer internationalen Expansion. Auf der IAA Mobility 2025 präsentierte die Marke erstmals eine globale Modellpalette, um Märkte außerhalb Chinas zu erschließen. Konkrete Pläne für einen Marktstart in Europa wurden jedoch bislang nicht bestätigt; der Absatzschwerpunkt liegt weiterhin klar in China.

Öffentlich verfügbare Finanzzahlen zu Umsatz oder Gewinn der Marke liegen derzeit nicht vor. Die Finanzdaten fließen in die Ergebnisse der Seres Group ein, die profitabel arbeitet: 

  • 2024 erzielte die Seres Group einen Umsatz von rund 145,2 Mrd. RMB (18,6 Mrd. €) und einen Nettogewinn von knapp 6 Mrd. RMB (~ 760 Mio. €)
  • Im ersten Halbjahr 2025 belief sich der Umsatz auf rund 62,4 Mrd. RMB (~ 8 Mrd. Euro), der Nettogewinn betrug rund 2,94 Mrd. RMB (~ 380 Mio. €).

Avatr 11 – Exterieur
(Mit freundlicher Genehmigung/Courtesy of Avatr Technology (Chongqing) Co., LTD. [Homepage])

Avatr 11 – Interieur
(Mit freundlicher Genehmigung/Courtesy of Avatr Technology (Chongqing) Co., LTD. [Homepage])

Avatr wurde 2018 ursprünglich von Changan und Nio gegründet, mittlerweile hat sich Nio wieder zurückgezogen. Stattdessen ist der chinesische Zell- und Batterie-Hersteller CATL eingestiegen. Huawei unterstützt bei der Entwicklung, ist aber nicht an dem Unternehmen beteiligt:

  • Changan ist ein staatlicher Automobilhersteller, der bereits 1862 für die Produktion von Militärgütern gegründet wurde. Unter den vier großen staatlichen Autokonzernen liegt Changan mit rund 2,9 Millionen verkauften Fahrzeugen auf dem dritten Platz (Zahlen von 2025).
  • Huawei fungiert als zentraler Technologiepartner und liefert  Softwareplattformen, Cockpit-Systeme und Fahrerassistenztechnologie. Dazu gehören das Betriebssystem HarmonyOS für das Infotainment sowie die Huawei-Plattform für automatisiertes Fahren.  

Die Modellpalette von Avatr umfasst derzeit mehrere Premium-SUVs und Limousinen, darunter die Modelle Avatr 11, Avatr 12, Avatr 06 und Avatr 07, die je nach Baureihe als reine BEV oder mit Range-Extender-Antrieb (EREV) angeboten werden. 

Schätzungen auf Basis der aktuellen Modellstruktur deuten darauf hin, dass rund 60–70 % der Avatr-Verkäufe auf BEV und etwa 30–40 % auf Range-Extender-Modelle (EREV) entfallen.

Mit 120.000 in 2025 verkauften Fahrzeugen ist Avatr noch nicht profitabel, konnte aber seine Verluste gegenüber den Vorjahren reduzieren:

  • 2024 lag der Jahresumsatz bei rund 15,2 Mrd. RMB (~ 2 Mrd. €) und der Netto-Verlust bei  4 Mrd. RMB (~ 0,52 Mrd. €).
  • Im ersten Halbjahr 2025 stieg der Umsatz auf 12,2 Mrd. RMB (~ 1,6 Mrd. €) an, der Verlust reduzierte sich auf knapp 1,6 Mrd. RMB (~ 0,21 Mrd. €).

Erste Auslandsmärkte wurden seit 2024, u. a. in Thailand und den United Arab Emirates, meist über lokale Vertriebspartner erschlossen. Langfristig plant das Unternehmen eine Expansion auf 40–50 internationale Märkte sowie einen möglichen Markteintritt in Europa ab etwa 2026.

Ein erster Schritt zur Markenpräsenz in Deutschland war der Auftritt auf der IAA Mobility 2025 in Munich, wo mehrere Serienmodelle (u. a. Avatr 06, 07, 11) gezeigt wurden. Konkrete Termine für einen europäischen Marktstart oder erste Auslieferungen wurden bislang nicht genannt.

IM Motors LS7 IM – Exterieur    

(Mit freundlicher Genehmigung/Courtesy of Zhiji Automobile Technology Co., Ltd. [Homepage])

IM Motors LS7 IM – Interieur    

(Mit freundlicher Genehmigung/Courtesy of Zhiji Automobile Technology Co., Ltd. [Homepage])

IM Motors ist ein Joint-Venture von SAIC Motors, Zhangjiang Hi-Tech und Alibaba, das erst 2021 gegründet wurde, wobei der Name für „Intelligence in Motion“ steht:

  • SAIC Motors (Shanghai Automotive Industry Corporation) ist Chinas zweitgrößter Automobilkonzern hinter BYD; gemessen am Absatz 2025. Das Unternehmen ist staatlich kontrolliert und verkaufte 2025 weltweit rund 4,5 Millionen Fahrzeuge. Neben eigenen Marken produziert SAIC im Rahmen von Joint-Ventures auch Fahrzeuge westlicher Hersteller, so u.a. von VW und GM. 
  • Alibaba ist als Technologiepartner beteiligt und bringt vor allem Kompetenzen in den Bereichen Cloud-Computing, Datenplattformen und digitale Dienste ein. Alibaba unterstützt dabei insbesondere Infotainment-, Cloud- und Datenlösungen innerhalb der Fahrzeugplattform.

Im Jahr 2024 beteiligte sich CATL im Rahmen einer Kapitalaufstockung an IM Motors. 

IM Motors positioniert sich als Premium-Elektromarke innerhalb von SAIC Motor und adressiert vor allem Käufer im oberen Mittel- bis Luxussegment. Die Modellpalette umfasst vor allem große Limousinen und SUVs, darunter die Sedans L6 und L7 sowie die SUVs LS6 und LS7.

Ursprünglich setzte die Marke ausschließlich auf BEV, erweitert ihr Portfolio seit 2025 jedoch um Range-Extended-EVs (EREV), darunter eine EREV-Version des LS6 sowie das große SUV LS9.

Der Verkaufsstart erfolgte im Jahr 2022. Seitdem steigt der Absatz moderat, bleibt jedoch mit rund 81.100 Einheiten im Jahr 2025 weiterhin unter der Marke von 100.000 Fahrzeugen. Gleichwohl verzeichnete IM Motors mit der Kooperation mit Audi einen ersten technologischen Erfolg. Der deutsche Automobilhersteller greift für seine neuen China-Modelle, die unter der Marke AUDI vertrieben werden, auf die Plattformtechnologie von IM Motors zurück.

Für IM Motors veröffentlicht SAIC keine separaten vollständigen Gewinn- und Umsatzberichte, da es als Tochter/JV im Konzernabschluss von SAIC Motor konsolidiert wird.

Japanische BEV-Joint-Venture

Afeela  – Exterieur   

(Mit freundlicher Genehmigung/Courtesy of Sony Honda Mobility Inc. [Gallery])

Afeela  – Interieur   

(Mit freundlicher Genehmigung/Courtesy of Sony Honda Mobility Inc. [Homepage])

Sony und Honda haben ein Joint-Venture unter dem Namen Sony Honda Mobility Inc. gegründet, das Auto unter dem Markennamen Afeela entwickelt.

Das erste Serienmodell ist eine große, fünftürige Limousine, deren Produktion 2026 in den USA anlaufen soll. Das Fahrzeug verfügt über zwei Elektromotoren, Allradantrieb und eine Batterie mit rund 91 kWh Kapazität. Der Innenraum orientiert sich stark an Sonys Kompetenzen im Digital- und Entertainment-Bereich. Das Cockpit wird von einer breiten Displaylandschaft geprägt, die auf eine softwarezentrierte Bedienlogik setzt.

Afeela setzt zudem auf eine Umfelderfassung mit rund 40 Sensoren, darunter Kameras, Radar und LiDAR. Diese sollen erweiterte Assistenzsysteme und teilautonomes Fahren ermöglichen. Ergänzt wird das Konzept durch Komfortmerkmale wie eine Luftfederung und einen modern gestalteten Innenraum.

Ein erster Prototyp wurde im bereits 2023 auf der CES in Las Vegas vorgestellt. 

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[cs 18.03.2026]