eVTOL-Start-ups für Multicopter

 

VOLOCITY von Volocopter   
(Mit freundlicher Genehmigung/Courtesy of Volocopter GmbH [Media Hub])

Management Summary

Abb. 1 – Übersicht Multicopter-Start-ups weltweit 

Multicopter sind flügellose Senkrechtstarter, bei denen mehrere vertikal angebrachte Rotoren sowohl für den Auftrieb als auch für den Vortrieb sorgen. Die Technik von Multicoptern ähnelt der von ferngesteuerten Spielzeugdrohnen, wobei natürlich alle Komponenten wesentlich größer ausgelegt sind.

Multicopter werden sowohl für den kommerziellen Luftverkehr als auch für Privatkunden entwickelt, eine Übersicht der wichtigsten Start-ups finden Sie in der obigen Abbildung 1.

Zu den Pionieren bei den Multicoptern für den kommerziellen Luftverkehr gehört die deutsche Firma Volocopter, die bereits 2011 einen bemannten Erstflug mit einem Prototypen durchführen konnte. Der zweisitzige VoloCity befindet sich im EASA-Zertifizierungsverfahren; die Musterzulassung ist für 2027 geplant

Zu den international am weitesten fortgeschrittenen Wettbewerbern von Volocopter gehören zwei Start-ups aus Asien:

  • Der von der chinesischen Firma EHang entwickelte, zweisitzige Multicopter EH216-S hat ähnliche Leistungsdaten wie der VoloCity. Der EH216-S hat seit 2023 eine Musterzulassung in China; inzwischen liegen auch Produktions- und Betreiberzertifikate für den kommerziellen Passagierbetrieb vor.
  • Das japanische Start-up SkyDrive entwickelt mit dem SD-05 einen dreisitzigen Multicopter; Demonstrations- und Testflüge wurden u.a. auf der World Expo 2025 in Osaka absolviert. Die Musterzulassung befindet sich in Vorbereitung; die Kommerzialisierung ist für 2028 geplant.

Mit dem 2026 vorgestellten VoloXPro bietet Volocopter erstmals auch einen Multicopter für die private Luftfahrt an. Der Multicopter-Pionier ist damit der einzige Multicopter-Hersteller, der sowohl den kommerziellen als auch den privaten Luftverkehrsmarkt bedient.

Der zweisitzige Multicopter ist entsprechend der deutschen Zulassungsvorschriften für Ultraleichtflugzeuge konzipiert. Neben Privatkunden richtet sich der VoloXPro auch an Flugschulen, Luftsportvereine und Betreiber von Rundflügen. Zulassung und Markteintritt sind für Ende 2026 geplant.

Die meisten Wettbewerber in diesem Luftfahrtsegment sind in den USA beheimatet:

  • Die Firma Jetson Aero nimmt bereits seit 2021 Bestellungen für den einsitzigen Jetson ONE an; im September 2025 wurde das erste Exemplar an einen Kunden ausgeliefert. In den USA kann das Fluggerät nach FAA Part 103 ohne Registrierung und Pilotenlizenz betrieben werden.
  • LIFT Aircraft verfolgt mit dem HEXA ein besonderes Geschäftsmodell: Der einsitzige Multicopter wird nicht verkauft, sondern kann von Privatkunden nach einer kurzen Einweisung für einzelne Flüge gemietet und selbst gesteuert werden.
  • RYSE Aero Technologies entwickelte mit dem RECON einen einsitzigen Multicopter nach FAA Part 103. Das Unternehmen scheint seine Geschäftstätigkeit inzwischen jedoch weitgehend eingestellt zu haben; eine offizielle Insolvenz ist bislang nicht bekannt.
  • Das britische Start-up Bellwether Industries entwickelt einen dreisitzigen Multicopter mit vollständig in die Karosserie integrierten Rotoren. Ein flugfähiger Prototyp befindet sich in der Flugerprobung.

Eine Besonderheit bildet das US-Start-up Alef Aeronautics, das mit dem Model A ein Flugauto mit Multicopter-Technologie entwickelt. Das Fahrzeug kann sowohl auf Straßen fahren als auch senkrecht starten und landen. Flugfähige Prototypen werden bereits getestet; Ende 2025 begann die Produktion erster Fahrzeuge.

Technologie von Multicoptern

Die Technik von Multicoptern ähnelt der von ferngesteuerten Spielzeugdrohnen und ist im Vergleich zu Hubschraubern relativ einfach gehalten:

  • Vertikale Rotoren sorgen dafür, dass Multicopter senkrecht starten und landen können.
  • Durch unterschiedliche Drehzahlen der vorderen und hinteren Rotoren kann die Drohne vorwärts oder rückwärts fliegen.
  • Über Drehzahlunterschiede auf der linken und rechten Seite kann der Multicopter auch seitwärts fliegen.
  • Jeder Rotor wird von einem eigenen Elektromotor angetrieben.

Multicopter benötigen keine aerodynamischen Steuerflächen wie Seiten-, Höhen- oder Querruder. Die Steuerung erfolgt ausschließlich über die unterschiedliche Drehzahl der Rotoren, wodurch Multicopter mechanisch vergleichsweise einfach aufgebaut sind.

Im Vergleich zu Tragflächen-Senkrechtstartern haben Multicopter prinzipiell eine geringere Reichweite, da sich die Rotoren auch beim Überlandflug drehen müssen, um Auftrieb zu erzeugen.

Die maximale Reichweite der zweisitzigen Multicopter liegt derzeit im Bereich von 30 bis 40 km, diese wird maßgeblich durch die Kapazität der Lithium-Ionen-Zellen in den Batterien bestimmt. Die Erhöhung der Energiedichte von Lithium-Ionen-Zellen ist Gegenstand intensiver Forschung. Mit weiteren Fortschritten bei der Batterietechnologie dürfte daher auch die Reichweite von Multicoptern in den kommenden Jahren zunehmen. Aufgrund ihres höheren Energiebedarfs im Reiseflug werden Multicopter jedoch grundsätzlich geringere Reichweiten erreichen als tragflächenbasierte Senkrechtstarter.

Da die Sicherheit in der Luftfahrt eine zentrale Rolle spielt, sind die Antriebssysteme von Multicoptern, die für den Passagiertransport eingesetzt werden, grundsätzlich redundant ausgelegt. Dabei kann der Ausfall eines einzelnen Rotors stets durch die verbleibenden Rotoren kompensiert werden, sodass ein kontrollierter Weiterflug bzw. eine sichere Landung möglich ist.

Kommerzielle Luftfahrt

Der Pionier unter den Multicopter-Start-ups ist die deutsche Firma Volocopter aus Bruchsal, Baden-Württemberg; der Erstflug eines bemannten Multicopters war am 28.10.2011. Aus dem Entwicklungsteam der Pionierjahre sowie den verschiedenen, früheren GmbHs ist die Firma Volocopter hervorgegangen, die heute neben Bruchsal Standorte in München und Singapur unterhält.

Zu den Investoren gehörten prominente Namen wie die Mercedes-Benz AG, DB Schenker, Continental und BlackRock. Nach finanziellen Schwierigkeiten meldete Volocopter Ende 2024 Insolvenz an und wurde im März 2025 von der österreichischen Diamond Aircraft Group übernommen. Volocopter ist heute als Schwesterunternehmen von Diamond Aircraft in die Luftfahrtsparte der chinesischen Wanfeng Auto Holding Group eingegliedert. Der Firmensitz von Volocopter ist aber weiterhin in Bruchsal.

Volocopter hat seine Geschäftsstrategie inzwischen um den Bereich Private Aviation erweitert. Mit dem VoloXPro soll neben dem kommerziellen Luftverkehr künftig auch der Markt für private und weitere nicht-liniengebundene Anwendungen adressiert werden (siehe Abschnitt Multicopter für die Private Luftfahrt).

Abb. 2 – VoloCity von Volocopter   
  (Mit freundlicher Genehmigung/Courtesy of Volocopter GmbH [Media Hub])

Das wichtigste Produkt für den kommerziellen Luftverkehr ist der zweisitzige Multicopter VoloCity (siehe Abb. 2)Er bietet Platz für einen Piloten und einen Passagier, verfügt über eine operative Reichweite von rund 20 km und erreicht eine Reisegeschwindigkeit von 90 km/h sowie eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h. Der VoloCity ist vor allem für kurze innerstädtische Verbindungen vorgesehen, beispielsweise zwischen Flughäfen, Bahnhöfen und Stadtzentren. 

Als Hersteller verfügt Volocopter bereits über die erforderlichen Zulassungen als Entwicklungs- und Produktionsbetrieb (DOA und POA), die eigentliche EASA-Musterzulassung des VoloCity steht jedoch noch aus und wird für 2027 erwartet. 

Nach der Zertifizierung will Volocopter die in Bruchsal produzierten Fluggeräte an Betreiber und Partner liefern und gemeinsam mit diesen kommerzielle Flugangebote aufbauen. Gleichzeitig soll die digitale Plattform VoloIQ Betreiber bei der Steuerung und Optimierung ihrer Flotten unterstützen. Der Markteintritt soll zunächst in Europa erfolgen und anschließend über Partnerschaften auf weitere internationale Märkte ausgeweitet werden.

Der VoloCity verfügt über neun Lithium-Ionen-Wechselakkus, die insgesamt 18 Elektromotoren mit Energie versorgen. Nach der Landung werden die entladenen Batteriepacks aus dem Fluggerät entnommen, gegen geladene Packs ausgetauscht und anschließend in einer externen Ladestation wieder aufgeladen. 

Am Batteriemanagementsystem (BMS) ist der deutsche Luftfahrtzulieferer Diehl Aerospace beteiligt, der die technische Plattform und Komponenten zur Überwachung und Steuerung der neun Batteriepacks bereitstellt. Diehl liefert für den VoloCity außerdem Komponenten der Flugsteuerung und des Fly-by-Light-Systems. Der genaue Zelltyp und der Hersteller der verwendeten Batteriezellen werden von Volocopter derzeit nicht veröffentlicht. 

Vorteile des Wechselakku-Konzepts sind:

  • Der Akku-Tausch ist wesentlich schneller als das Laden der Akkus im Fluggerät; der Flugbetrieb kann so viel enger getaktet werden.
  • Die Akkus können unabhängig vom Flugbetrieb in externen Ladestationen geladen werden. Dadurch werden Ladezeit und Einsatzzeit des Fluggeräts voneinander entkoppelt.
  • Auf sehr schnelles Laden kann weitgehend verzichtet werden, wodurch die thermische Belastung und der Verschleiß der Batteriezellen reduziert und deren Lebensdauer erhöht werden können.
  • Die Aufteilung auf neun separate Batteriepacks unterstützt zudem die für die Sicherheit wichtige Redundanz des elektrischen Antriebssystems.

Abb. 3 – EH216-S bei Demonstrationsflug in Spanien
(Mit freundlicher Genehmigung/Courtesy of Guangzhou EHang Intelligent Technology Co. Ltd. [Homepage])

Die chinesische Firma EHang ist ein direkter Wettbewerber von Volocopter. EHang hat mit dem Modell EH216-S einen zweisitzigen Multicopter entwickelt, dessen Leistungsdaten mit denen des VoloCity vergleichbar sind. Anders als beim VoloCity sind die Rotoren jedoch nicht oberhalb, sondern seitlich unterhalb der Kabine angeordnet (siehe Abb. 3). 

Aufgrund der relativ niedrigen Position der Rotoren besteht bei laufendem Antrieb eine potenzielle Verletzungsgefahr für Personen in unmittelbarer Nähe des Fluggeräts.

Der EH216-S hat in China die wesentlichen Zulassungsschritte für den kommerziellen Betrieb durchlaufen: Die chinesische Luftfahrtbehörde CAAC erteilte 2023 die Musterzulassung (Type Certificate) und das Standard Airworthiness Certificate sowie 2024 die Produktionszulassung (Production Certificate). Seit 2025 verfügen erste Betreiber zudem über eine Betriebsgenehmigung (Air Operator Certificate) für kommerzielle Passagierflüge.

Eine Besonderheit des EH216-S ist der pilotlose, automatisierte Flugbetrieb. Dadurch werden beide Sitzplätze für Passagiere verfügbar, während bei einem vergleichbaren zweisitzigen eVTOL mit Pilot nur ein Passagier befördert werden kann. Start, Flug und Landung erfolgen automatisiert entlang vorgegebener Flugrouten. Die Fluggeräte werden dabei von Kontrollzentren am Boden überwacht. Dieses Konzept soll langfristig einen skalierbaren Betrieb größerer Flotten ermöglichen und gleichzeitig die Personalkosten pro Flug reduzieren.

In China ist EHang damit bei der Zulassung und Kommerzialisierung weiter fortgeschritten als die meisten westlichen eVTOL-Hersteller. Die chinesischen Zulassungen gelten jedoch nicht automatisch in Europa oder anderen Märkten. EHang arbeitet deshalb parallel mit Luftfahrtbehörden verschiedener Länder an der Erprobung und Zulassung des EH216-S für weitere Märkte.

Ein wichtiger erster Anwendungsbereich des EH216-S ist der Tourismus. Seit 2025 dürfen erste Betreiber in China kommerzielle, bezahlte Rund- und Sightseeingflüge anbieten; EHang baut diesen Bereich gemeinsam mit Tourismusunternehmen und lokalen Behörden gezielt aus. Der Tourismus dient dabei als Einstiegsmarkt, bevor der Betrieb schrittweise auf komplexere Anwendungen wie innerstädtische Punkt-zu-Punkt-Verbindungen und Air-Taxi-Dienste erweitert werden soll.

Bei der Batterietechnologie kooperiert EHang mit Gotion High-Tech. Der chinesische Batteriehersteller entwickelt für die EH216-Serie ein maßgeschneidertes Batteriesystem auf Basis zylindrischer 46er-Zellen.

Parallel entwickelt EHang gemeinsam mit dem chinesischen Batterieunternehmen Inx Energy eine Festkörperbatterie. Ein mit dieser Batterie ausgerüsteter EH216-S absolvierte bereits 2024 einen Testflug von mehr als 48 Minuten. Die verwendeten Lithium-Metall-Festkörperzellen erreichen nach Angaben der Unternehmen eine Energiedichte von 480 Wh/kg; als Elektrolyt kommen oxidkeramische Materialien zum Einsatz. 

Gegenüber der bisherigen Batterie konnte die Flugdauer im Test deutlich erhöht werden. Die Festkörperbatterie befindet sich jedoch weiterhin in der Entwicklungs- und Erprobungsphase und gehört noch nicht zur regulären Serienausstattung des EH216-S.

Abb. 4 – SkyDrive Demonstrationsflug bei der Expo 2025 in Osaka
(Mit freundlicher Genehmigung/Courtesy of SkyDrive Inc. [Homepage])

Die japanische Firma SkyDrive entwickelt mit dem dreisitzigen SD-05 den größten Multicopter für den kommerziellen Luftverkehr (ein Pilot plus zwei Passagiere). Bei der World Expo 2025 in Osaka führte SkyDrive erstmals öffentliche Demonstrationsflüge mit dem SD-05 durch (siehe Abb. 4).

Die Zertifizierung erfolgt in Abstimmung mit der japanischen Luftfahrtbehörde JCAB; eine Musterzulassung liegt damit noch nicht vor. SkyDrive strebt die Kommerzialisierung für 2028 an und arbeitet parallel auch mit der US-amerikanischen FAA an einer Zulassung für den US-Markt.

Ein wichtiger Industriepartner und Investor ist der japanische Automobilhersteller Suzuki. Die Zusammenarbeit besteht seit 2022 und umfasst neben finanziellen Beteiligungen auch Entwicklung, Produktion und internationale Vermarktung. Die Produktion der SD-05-Fluggeräte wurde 2024 in einem Werk von Suzuki aufgenommen.

Das Batteriesystem einschließlich Batteriemodulen und Batteriemanagementsystem liefert das US-Unternehmen Electric Power Systems (EPS). Der Hersteller der verwendeten Batteriezellen wurde bislang nicht öffentlich genannt. SkyDrive entwickelt Batteriesysteme mit einer angestrebten Energiedichte von mehr als 300 Wh/kg.

Als erste kommerzielle Anwendungen plant SkyDrive unter anderem innerstädtische Verbindungen und touristische Rundflüge. In Osaka und auf der südjapanischen Insel Kyushu sollen ab etwa 2028 erste kommerzielle Verbindungen und Sightseeing-Flüge entstehen.

Abb. 5 – UMILES-Konzept Wankstabilisierung
(Mit freundlicher Genehmigung/Courtesy of UMILES Technologies S.L. [Homepage])

Abb. 6 – Unbemannter UMILES-Testflug 2022 in Toulouse, Frankreich 
(Mit freundlicher Genehmigung/Courtesy of UMILES Technologies S.L. [Homepage]) 

Die spanische Firma UMILES Next, die 2023 in Crisalion Mobility umbenannt wurde, entwickelte mit dem Concept einen Multicopter-Technologiedemonstrator zur Erprobung einer ungewöhnlichen Antriebs- und Stabilisierungstechnik. Bei der als FlyFree bezeichneten Technologie sind jeweils vier Propeller zu einer beweglichen Antriebseinheit zusammengefasst. Die einzelnen Einheiten können unabhängig voneinander gesteuert werden und ermöglichen dadurch unter anderem einen verbesserten Ausgleich von Seitenwind und Böen (siehe Abb. 5). 

Die Technologie wurde seit 2019 in Flugversuchen erprobt (siehe Abb. 6) und später auf das größere, tragflächenbasierte eVTOL Integrity übertragen; die Entwicklung eines reinen Multicopters wurde nicht weiterverfolgt. 

Crisalion geriet jedoch 2025 in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten. Eine geplante Finanzierung über 150 Mio. € kam nicht zustande, auch Gespräche mit weiteren Investoren führten zu keinem Ergebnis. Im November 2025 wurde schließlich ein Insolvenzverfahren eröffnet und die Liquidation des Unternehmens angeordnet; Anfang 2026 wurde die Auflösung der Gesellschaft im spanischen Handelsregister vermerkt.

Private Luftfahrt

Zu den Pionieren unter den Multicopter-Start-ups für die private Luftfahrt gehört das ursprünglich in Europa gegründete und inzwischen in den USA ansässige Unternehmen Jetson

Mit dem Jetson ONE hat das Start-up einen einsitzigen Multicopter entwickelt, der mit acht elektrischen Rotoren eine Höchstgeschwindigkeit von rund 100 km/h und eine Flugzeit von etwa 20 Minuten erreicht. Der aktuelle Verkaufspreis beträgt 128.000 US-$. Im September 2025 lieferte Jetson das erste Serienfahrzeug in Kalifornien an einen privaten Kunden aus und gehört damit zu den ersten eVTOL-Start-ups, die mit dem Verkauf und der Auslieferung eines Fluggeräts an einen privaten Endkunden tatsächlich Umsatz erzielen.

Video 1 – Flug eines Jetson-ONE über einer Dünenlandschaft
(Mit freundlicher Genehmigung/Courtesy of Jetson AB [Homepage]])

Jetson hat seinen Firmensitz inzwischen nach Palo Alto in Kalifornien verlegt, während die Produktion weiterhin in Italien erfolgt. In den USA kann der Jetson ONE als Ultralight Vehicle nach FAA Part 103 betrieben werden und damit ohne Pilotenlizenz geflogen werden. Jetson meldet inzwischen mehr als 650 Bestellungen mit einem Auftragswert von rund 100 Mio. US-$; für 2026 sind 100 Auslieferungen vorgesehen.

Das Video auf der Homepage mit einem Jetson ONE, der im Sonnenuntergang über eine malerische Dünenlandschaft fliegt, hat uns in der Redaktion besonders fasziniert (siehe Video 1). Es weckt Erinnerungen an Luke Skywalker in seinem X-34 Landspeeder, mit dem er im ersten Star-Wars-Film von 1977 über die Wüste gleitet.

Abb. 7 – VoloXPro von Volocopter   
  (Mit freundlicher Genehmigung/Courtesy of Volocopter GmbH [Homepage])

Mit dem VoloXPro erschließt Volocopter inzwischen ein zusätzliches Marktsegment und richtet sich erstmals auch gezielt an Privatpiloten, Flugschulen und Luftsportvereine. Der zweisitzige Multicopter basiert auf den langjährigen Erfahrungen mit dem VoloCity, ist jedoch als Ultraleichtfluggerät für die private Luftfahrt konzipiert.

Der vollständig elektrisch angetriebene VoloXPro verfügt über 18 Rotoren und bietet Platz für einen Piloten und einen Passagier (siehe Abb. 7). Die Reisegeschwindigkeit beträgt rund 70 km/h, die Reichweite je nach Batterievariante bis zu 40 km. Bei einem maximalen Startgewicht von 600 kg beträgt die Nutzlast rund 154 kg. Zur Ausstattung gehören ein Fly-by-Wire-System sowie eine redundant ausgelegte Antriebs- und Flugsteuerungsarchitektur; zusätzlich ist ein ballistisches Rettungssystem vorgesehen.

Anders als der für den kommerziellen Luftverkehr entwickelte VoloCity soll der VoloXPro in Deutschland als Ultraleichtflugzeug (UL) zugelassen werden. Die Zulassung ist für Ende 2026 vorgesehen. Mit einem maximalen Startgewicht von 600 kg nutzt Volocopter dabei die in Deutschland geltende UL-Gewichtsgrenze aus. Nach einer Preisindikation, die Volocopter dem EV-Portal mitgeteilt hat, soll der VoloXPro rund 490.000 € kosten. Als Zielgruppen adressiert Volocopter neben Privatpiloten insbesondere auch Flugschulen und Luftsportvereine.

Abb. 8 – LIFT-Multicopter HEXA   
(Mit freundlicher Genehmigung/Courtesy of LIFT Aircraft Inc. [Homepage])

Abb. 9 – LIFT-Homepage für HEXA-Reservierung   
(Mit freundlicher Genehmigung/Courtesy of LIFT Aircraft Inc. [Homepage])

Ein ungewöhnliches Geschäftsmodell verfolgt die Firma LIFT Aircraft aus Austin/Texas. Der von LIFT entwickelte einsitzige Multicopter HEXA wird Privatkunden nicht verkauft, sondern im Rahmen einer Pay-per-Flight Experience für einzelne Flüge zur Verfügung gestellt. HEXA verfügt über 18 unabhängig angetriebene Rotoren und fällt in den USA unter die Bestimmungen für Powered Ultralight Vehicles nach FAA Part 103. Dadurch kann das Fluggerät dort ohne Pilotenlizenz geflogen werden. Vier äußere Schwimmkörper sowie ein zentraler fünfter Schwimmkörper ermöglichen zudem Landungen auf dem Wasser (siehe Abb. 8).

Nach mehreren Jahren der Erprobung hat LIFT inzwischen auch den Flugbetrieb mit Privatkunden aufgenommen. Interessenten absolvieren zunächst ein Training einschließlich eines Fluges im VR-Simulator und steuern HEXA anschließend selbst unter Aufsicht eines Fluglehrers. In Austin/Texas kann dieses Flugerlebnis derzeit regulär gebucht werden. Der Einstiegspreis beträgt 199 US-$ und umfasst das Training sowie einen kurzen Einführungsflug von etwa 3–5 Minuten. LIFT plant, das Angebot auf weitere Städte und touristisch interessante Standorte in den USA auszuweiten (siehe Abb. 9).

Auch außerhalb der USA hat LIFT die technische Reife von HEXA inzwischen demonstriert. Bei der World Expo 2025 in Osaka führte das Unternehmen gemeinsam mit dem japanischen Partner Marubeni bemannte Demonstrationsflüge durch. Nach einer Beschädigung eines Motors und von Strukturteilen während eines Fluges im April 2025 wurden die Vorführungen vorübergehend ausgesetzt; das Fluggerät konnte dabei sicher landen und der Pilot blieb unverletzt. Nach technischen Untersuchungen und weiteren Testflügen wurden die Demonstrationsflüge im Juli 2025 wieder aufgenommen.

Abb. 10 – Bellwether Multicopter Oryx
(Mit freundlicher Genehmigung/Courtesy of Bellwether Industries Limited [Homepage]) 

Eines der ungewöhnlichsten Multicopter-Konzepte entwickelt die britische Firma Bellwether Industries aus London. Die futuristisch gestalteten Fluggeräte erinnern eher an ein Fahrzeug aus einem Batman-Film als an einen klassischen Multicopter (siehe Abb. 10). 

Anders als bei den meisten Wettbewerbern sind die Rotoren vollständig in den Flugkörper integriert und von außen kaum sichtbar. Bellwether bezeichnet dieses Konzept als Volar und kombiniert ein flügelloses Design mit einem sogenannten Hidden Propulsion System. Dadurch entsteht ein besonders kompakter Flugkörper, der speziell für Starts und Landungen auf kleinen Flächen in Städten konzipiert ist.

Der elektrisch angetriebene Oryx bietet drei Sitzplätze und misst etwa 3,7 × 6,3 × 1,9 m. Damit ist das Fluggerät trotz seiner drei Sitzplätze ausgesprochen kompakt. Der Oryx dient derzeit als Testplattform für die Weiterentwicklung des Flugkörpers sowie der Flugsteuerungs- und Antriebssysteme und wird in Dubai aktiv im Flug erprobt.

Dabei verfolgt Bellwether zunächst ein Geschäftsmodell mit professionellen Flottenbetreibern; erste Kunden sollen nach aktueller Planung ab 2028 Fluggeräte erhalten. Zu einem späteren Zeitpunkt ist auch der Verkauf an Privatkunden vorgesehen. 

Abb. 11 – Multicopter von RYSE Aero
(Mit freundlicher Genehmigung/Courtesy of RYSE Aero Technologies, LCC [Homepage])

Einen speziell auf den Einsatz in ländlichen Regionen ausgerichteten Multicopter entwickelte die Firma RYSE Aero Technologies aus Ohio/USA. Der einsitzige RYSE RECON verfügte über sechs elektrisch angetriebene Rotoren, erreichte eine Geschwindigkeit von rund 100 km/h und eine Reichweite von bis zu 40 km (siehe Abb. 11). 

Das Fluggerät war für den Betrieb nach FAA Part 103 ausgelegt und sollte daher in den USA ohne Pilotenlizenz geflogen werden können. Aufgrund seiner Schwimmer waren auch Starts und Landungen auf dem Wasser möglich.

Als wichtigste Zielgruppe hatte RYSE insbesondere Farmer und Rancher im Blick. Der RECON sollte für Kontrollflüge über große landwirtschaftliche Flächen und andere kurze Transportwege eingesetzt werden. Seit dem ersten bemannten Flug im Juni 2022 absolvierte RYSE mit mehreren Prototypen nach eigenen Angaben mehr als 600 Flüge. Für den RECON wurden zeitweise rund 200–250 Reservierungen gemeldet; der geplante Verkaufspreis lag bei etwa 150.000 US-$.

Die mehrfach angekündigte Serienproduktion und Auslieferung an Kunden kam jedoch nicht mehr zustande. RYSE geriet in finanzielle Schwierigkeiten und stellte seine Geschäftstätigkeit schließlich ein. Damit gehört der RECON zu den zahlreichen eVTOL-Projekten, die trotz eines bereits weit fortgeschrittenen und bemannt erprobten Prototyps den Schritt in die Serienproduktion nicht geschafft haben.

Abb. 12 – ZEVA Multicopter   
(Mit freundlicher Genehmigung/Courtesy of ZEVA. Inc. [Homepage])

Abb. 13 – ZEVA SkyDock™-Konzept 
(Mit freundlicher Genehmigung/Courtesy of ZEVA, Inc. [Homepage])

Ein besonders futuristisches Multicopter-Konzept entwickelte die amerikanische Firma ZEVA Aero aus dem Bundesstaat Washington. Das einsitzige Fluggerät ZEVA Zero erinnerte mit seinem scheibenförmigen Flugkörper an ein senkrecht stehendes UFO. 

Besonders visionär ist das von ZEVA entwickelte SkyDock™-Konzept. Anstatt auf einem Vertiport oder Hausdach zu landen, dockt das Fluggerät direkt an der Außenwand eines Hochhauses an (siehe Abb. 13). Das Konzept ist aktuell nur eine Vision und wurde noch nicht praktisch umgesetzt.

Im Mai 2024 wurde ZEVA Aero in Alpine Vertical umbenannt. Gleichzeitig änderte das Unternehmen seine technische Ausrichtung: Anstelle des ungewöhnlichen scheibenförmigen Multicopters verfolgt Alpine Vertical inzwischen andere, unter anderem hybrid-elektrische VTOL-Konzepte

Der ZEVA Zero, der Z2 und das SkyDock werden daher nicht mehr als aktuelle Produktprojekte weiterentwickelt. Insbesondere das SkyDock bleibt jedoch ein interessantes Beispiel dafür, wie zukünftige eVTOLs unmittelbar in die Infrastruktur von Großstädten integriert werden könnten.

Flugautos mit Multicopter-Technologie

Abb. 14 – Alef Flugauto auf Flugfeld 
(Mit freundlicher Genehmigung/Courtesy of Alef Aeronautics Inc.
[Press Kit])

Abb. 15 – Alef Flugauto im Testflug 
(Mit freundlicher Genehmigung/Courtesy of Alef Aeronautics Inc.
[Press Kit])

Das US-amerikanische Start-up Alef Aeronautics wurde 2015 im Silicon Valley gegründet. Zu den frühen Investoren gehört der Risikokapitalgeber Tim Draper, der auch durch frühe Investments in Tesla und SpaceX bekannt wurde. Sitz des Unternehmens ist heute San Mateo in Kalifornien.

Mit dem zweisitzigen Model A entwickelt Alef ein ungewöhnliches elektrisches Flugauto mit Multicopter-Technologie, das sowohl auf öffentlichen Straßen fahren als auch senkrecht starten und landen soll. Acht in die Karosserie integrierte Rotoren erzeugen den Auftrieb. Charakteristisch ist die großflächige Gitterstruktur der Karosserie, durch die die für die Rotoren benötigte Luft strömen kann (siehe Abb. 14). 

Nach dem vertikalen Start dreht sich der Fahrzeugkörper für den Vorwärtsflug um etwa 90 Grad; die Seiten der Karosserie übernehmen dann die Funktion von Tragflächen, während die beweglich gelagerte Kabine mit den Insassen horizontal ausgerichtet bleibt. Alef gibt eine Flugreichweite von rund 177 km (110 Meilen) und eine Reichweite auf der Straße von rund 320 km (200 Meilen) an. 

Als Straßenfahrzeug ist das Model A allerdings als Low Speed Vehicle (LSV) ausgelegt und auf rund 40 km/h (25 mph) begrenzt. Die Einstufung als LSV reduziert gegenüber einem vollwertigen Pkw die Zulassungs- und insbesondere die Crash-Sicherheitsanforderungen und ermöglicht damit eine leichtere Konstruktion – ein wesentlicher Vorteil für ein Fluggerät. Im Gegenzug ist die Nutzung auf öffentlichen Straßen deutlich eingeschränkt; Autobahnen und andere Straßen mit hohen Geschwindigkeiten kommen nicht infrage. Der geplante Verkaufspreis liegt bei etwa 300.000 US-$.

Der Entwicklungsstand ist inzwischen vergleichsweise weit fortgeschritten: Die US-Luftfahrtbehörde FAA erteilte bereits 2023 eine Special Airworthiness Certification für Testzwecke. 2025 veröffentlichte Alef erstmals Aufnahmen eines Prototyps, der senkrecht startet und über ein Fahrzeug hinwegfliegt (siehe Abb. 15). 

Ende 2025 begann das Unternehmen in Kalifornien mit der Fertigung erster Fahrzeuge des Model A. Die zunächst in Handarbeit gebauten Fahrzeuge sollen an wenige ausgewählte Kunden für Erprobungen unter kontrollierten Bedingungen ausgeliefert werden. Eine reguläre Serienproduktion sowie die für einen breiten kommerziellen Einsatz erforderlichen Zulassungen stehen jedoch noch aus.

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[cs 04.09.2026]