New-Country-Start-ups
Modellpalette VinFast
(Mit freundlicher Genehmigung/Courtesy of VinFast Germany GmbH [Homepage])
Management Summary
Auch in Ländern ohne eigene Automarken sind in den letzten Jahren BEV-Start-ups gegründet worden.
In Vietnam wurde die Marke VinFast Auto auf Initiative eines Privatunternehmers gegründet, während die übrigen New-Country-Start-ups überwiegend auf staatliche Impulse zurückgehen. Dazu zählen Togg-Auto in der Türkei, Ceer in Saudi-Arabien sowie Izera in Polen
- Mit rund 197.000 verkauften Fahrzeugen war VinFast Auto im Jahr 2025 am erfolgreichsten. Nach dem Markthochlauf in Vietnam setzt das Unternehmen auf eine internationale Expansion, insbesondere in Nordamerika und Europa.
- An zweiter Position folgt Togg-Auto mit rund 110.000 Einheiten. Auch Togg hat sich zunächst auf den Heimatmarkt fokussiert, plant aber jetzt den Export nach Euopa, unter anderem auch nach Deutschland.
- Das BEV-Modell von Ceer befindet sich noch in der Entwicklung, die Produktion soll 2026 starten. Unterstützt wird Ceer unter anderem von BMW und Foxconn.
- Izera hatte bereits ein Vorserienmodell entwickelt, der für 2023 angesetzte Produktionsstart konnte aber mangels Produktreife nicht gehalten werden. Im Dezember 2024 entschied die polnische Regierung, das Projekt einzustellen und die Marke Izera aufzulösen.
Vietnam
VinFast-Modell VF8
(Mit freundlicher Genehmigung/Courtesy of VinFast Germany GmbH [Homepage])
VinFast-Modell VF9
(Mit freundlicher Genehmigung/Courtesy of VinFast Germany GmbH [Homepage])
VinFast Auto ist ein vietnamesisches New-Country-Start-up für Pkw und Elektromotorräder, das 2017 von Pham Nhat Vuong in Hai Phong gegründet wurde. Der Unternehmer baute zuvor den Mischkonzern Vingroup auf, der in Bereichen wie Bildung, Gesundheit und Tourismus aktiv ist.
Die Entwicklung von VinFast ist eng mit der deutschen Automobilindustrie verknüpft, unter anderem durch frühere BMW-Kontakte im Management. Nach einem Einstieg mit Verbrennerfahrzeugen auf Basis von BMW-Technologie fokussiert sich das Unternehmen heute auf eigene batterieelektrische SUV-Modelle (VF6 bis VF9) für verschiedene Marktsegmente.
In 2025 konnten bereits rund 197.000 Fahrzeuge ausgeliefert werden, was einer Verdopplung gegenüber dem Vorjahr entspricht. Der Umsatz stieg deutlich auf rund 73,2 Billionen VND (~ 2,8 Mrd. €) an, während sich der Nettoverlust auf etwa 52,4 Billionen VND (~ 2,0 Mrd. €) verringerte.
Der Export nach Europa begann 2023, blieb jedoch sowohl 2023 als auch 2024 mengenmäßig sehr gering. Auch im Jahr 2025 lagen die Verkaufszahlen in Europa, einschließlich Deutschland, lediglich im niedrigen dreistelligen Bereich. In der Folge passte VinFast seine Europastrategie an und stellte den Direktvertrieb weitgehend ein, um künftig stärker auf Händlernetze zu setzen.
Türkei
Togg Modell T10X
(Mit freundlicher Genehmigung/Courtesy of Türkiye’nin Otomobili Girişim Grubu Sanayi ve Ticaret A.Ş [Homepage])
Innenraumdesign T10X
(Mit freundlicher Genehmigung/Courtesy of Türkiye’nin Otomobili Girişim Grubu Sanayi ve Ticaret A.Ş [Homepage])
Togg-Auto ist ein New-Country-Start-up, das 2018 auf Initiative von Präsident Erdoğan gemeinsam mit der Anadolu Group, BMC, der Kök Group, Turkcell und Zorlu gegründet wurde. Der Name steht für „Türkiye’nin Otomobili Girişim Grubu“ („Türkische Automobil Joint-Venture Gruppe“).
Als erstes Serienmodell entwickelte Togg das mittelgroße batterieelektrische SUV T10X mit einem von Pininfarina gestalteten Exterieur. Das Fahrzeug wird in zwei Batterievarianten angeboten: 52,4 kWh mit rund 314 km WLTP-Reichweite sowie 88,5 kWh mit bis zu 523 km. Die maximale Ladeleistung beträgt bis zu 150 kW (DC) bzw. 22 kW (AC).
In 2025 konnten rund 39.000 Fahrzeuge ausgeliefert werden, was einer leichten Steigerung gegenüber dem Vorjahr entspricht. Offizielle Finanzdaten sind nicht bekannt, das Unternehmen ist aber bei diesen Stückzahlen noch nicht profitabel.
Der Export nach Europa startete 2025. Der Markteintritt in Deutschland erfolgte gegen Ende des Jahres zunächst mit sehr begrenzten Stückzahlen, sodass für 2025 lediglich niedrige dreistellige Verkaufszahlen in Europa anzunehmen sind. Deutschland wird dabei als eine Art sekundärer Heimatmarkt betrachtet, da dort eine große Bevölkerungsgruppe mit türkischen Wurzeln lebt und der Marke entsprechend hohe Bekanntheit sowie emotionale Nähe entgegenbringt.
Saudi-Arabien
Ceer ist ein New-Country-Start-up aus Saudi-Arabien und zugleich die erste Automarke des Landes. Das Unternehmen wurde Ende 2022 als Joint Venture zwischen dem staatlichen Public Investment Fund (PIF) und dem taiwanesischen Elektronikhersteller Foxconn gegründet. Im Kontext der saudischen Vision 2030 positioniert sich Ceer als Wegbereiter einer eigenen nationalen Automobilindustrie und plant die Entwicklung batterieelektrischer Fahrzeuge – darunter Limousinen und SUVs – für den heimischen Markt, die Golfregion sowie den gesamten Mittleren Osten.
Der Aufbau der industriellen Basis erfolgt in der King Abdullah Economic City (KAEC) nahe Jeddah, wo Ceer eine Produktionsanlage mit einer Fläche von über einer Million Quadratmetern errichtet. Der entsprechende Auftrag wurde bereits vergeben, und der Baubeginn erfolgte Anfang 2023.
Ein zentrales Element der Unternehmensstrategie sind internationale Technologiepartnerschaften: Ceer greift auf lizenzierte Komponenten des deutschen Herstellers BMW zurück und nutzt Antriebstechnologien des kroatischen Start-ups Rimac Technology. Darüber hinaus besteht ein Lieferabkommen mit Hyundai Transys für E-Drive-Systeme. Die Verantwortung für elektronische Architektur, Infotainment und Konnektivität liegt bei Foxconn. Die ursprünglich für 2025 geplante Serienproduktion wurde inzwischen auf 2026 verschoben.
In technologischer Hinsicht stellt Ceer ein äußerst ambitioniertes Vorhaben dar, das zugleich auf die Unterstützung außergewöhnlich finanzstarker Investoren bauen kann.
Polen
Izera Fließheckmodell – Exterieur
(Mit freundlicher Genehmigung/Courtesy of ElectroMobility Poland S.A. [For Media])
Izera Fließheckmodell – Interieur
(Mit freundlicher Genehmigung/Courtesy of ElectroMobility Poland S.A. [Homepage])
Izera war die BEV-Marke eines polnischen New-Country-Start-ups, das 2016 durch das staatliche Konsortium ElectroMobility Poland (EMP) gegründet wurde. Da das Projekt nach Einschätzung der staatlichen Kontrollbehörde bis 2023 erhebliche Verzögerungen aufwies, stellte die polnische Regierung das Vorhaben Ende 2024 ein und löste die Marke Izera auf. Damit endete das ambitionierte Ziel, ein eigenständiges polnisches Elektrofahrzeug für den Massenmarkt zu etablieren.
Im Jahr 2020 präsentierte das Unternehmen die ersten beiden vollelektrischen Modelle – eine Schräghecklimousine und ein SUV – mit der Absicht, ab 2023 in die Serienproduktion einzusteigen. Für das Fahrzeugdesign war das italienische Studio Torino Design verantwortlich, an dem unter anderem auch erfahrene Designer wie ein ehemaliger Jaguar-Designer beteiligt waren.
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[cs 22.03.2026]
